Bennisch / Benisch
(bei Mährisch Ostrau)
Horní Benešov

49° 58′ 0″ N      -    17° 36′ 0″ E
Perle Schlesiens
 

Horní Benešov, bis 1926 Benešov, dt. Bennisch oder Benisch, ist eine Stadt in Tschechien im Kreis Bruntál. Sie liegt in Tschechisch Schlesien an der Hauptstraße Opava (20,5 km) - Bruntál (13 km) nahe der Grenze zu Polen. In Horní Benešov leben 2.440 Einwohner. Im gespaltenen Stadtwappen befindet sich rechts die Hälfte des schlesischen Adlers und links zwei Rodehauen.

Die "Perle Schlesiens" st 1253 an der Stelle einer älteren Bergmannsiedlung gegründet worden und verfügt über eine lange Bergbau-Tradition. In der Stadt wurden Gold, Silber, Kupfer und Eisenerze gefördert. In der Umgebung wird noch Dachschiefer abgebaut. Großen Aufschwung erfuhr in der Vergangenheit auch die Textilindustrie (Bennischer Leinen). Der Eisenbahnbetrieb nach Opava musste wegen Bodensenkung infolge des Bergbaus im Jahr 1970 stillgelegt werden - heute befindet sich der nächste Bahnhof in Svobodné Heømanice.

 

1880 lebten in der Stadt Bennisch 4.200 Menschen - nur 27 davon waren Juden. Drei Familien bekannten sich zur tschechischen Sprache - alle anderen zur Deutschen Sprache. 

 

Lage von Bennisch und Mährisch Ostrau
Bericht Nr. 116

Lager Hodolein und Stefanau,
Schwere Drangsalierung alter Leute

Bericht von: Valerie Klos           Bericht vom 2. 8.1946

Am 19. 7. v. J. wurden ungefähr 750 Personen aus Bennisch, darunter auch sehr viele alte und kranke Leute und Frauen mit kleinen Kindern, in kürzester Zeit nur mit geringstem Gepäck zusammengetrieben und sollten auf 3 Wochen Ernteeinsatz ins tschechische Gebiet verschickt werden. Am nächsten Tage wurden in Olmütz die alten Leute und Frauen mit kleinen Kindern aussortiert und ins Lager Hodolein eingeliefert. Darunter befanden sich meine Eltern, mein Vater mit 74 und meine Mutter mit 54 Jahren. Ich selbst und meine Schwester wurden nach 10 Monaten zu einem Bauern geschickt, wo wir sehr gehässig behandelt und oft beschimpft und sogar bespuckt wurden. Mein Vater erkrankte in Hodolein infolge der Misshandlungen und schlechten Verpflegung und sollte aufgrund einer Verfügung des Polizeichefarztes von Olmütz krankheitshalber entlassen werden, wurde aber statt dessen mit meiner Mutter in das Lager Stefanau geschafft, wo sich infolge der schlechten Verpflegung und Unterbringung sein Zustand so verschlimmerte, dass er am 24. 9. starb. Er hatte Geschwüre am Kopf und in der Seite, die von Schlägen herrührten. Er war in der kurzen Zeit zum Skelett abgemagert. Meine Schwester und ich standen ungefähr 30 km entfernt in Arbeit. Wir bekamen aber keine Erlaubnis, unseren Vater vor seinem Tode noch einmal zu sehen.

Als wir nachhause entlassen wurden, fanden wir von unseren Sachen nichts mehr vor, durften auch nicht mehr in unsere Wohnung. Unser Aussiedlungsgepäck besteht nur aus von Bekannten geschenkten und vorwiegend alten, z. T. schon verbrauchten Sachen. Vor allem haben wir keine Winterbekleidung.



 

Gebauer, Karl Anton
Gotschke, Walter
Greippel, Johann Franz (Greipel)
Kohn, Fritz

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Bericht Nr. 117

Schwere Misshandlung eines Mädchens durch die Arbeitgeberin
Bericht von: Hildegard Maschke       Bericht vom 2. 8. 1946 (Bennisch)

Meine 16jährige Tochter wurde vom Arbeitsamt in Bennisch zu dem tschechischen Bauern Uhlír zur Arbeit verpflichtet. Sie musste dort täglich von 5 Uhr früh bis ½11 Uhr nachts arbeiten. Es ist ein Besitz von ungefähr 40 ha und meine Tochter war die einzige Arbeitskraft. So wurde dem Kind die Arbeit auf die Dauer zu viel. Anfang April kam meine Tochter einmal früh zu mir und bat mich, mit ihr zum Arbeitsamt zu gehen, da sie die schwere Arbeit nicht mehr bewältigen konnte. Bevor wir aber noch zum Arbeitsamt gehen konnten, kam die Uhlír mit dem Leiter des Arbeitsamtes, Túma, meine Tochter holen. Sie wurde von Túma so lange geschlagen, bis sie sich bereit erklärte, wieder auf ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch ich wurde von Túma zweimal geschlagen. Anfang Juli wurde meine Tochter von der Frau Uhlír wieder schwer misshandelt unter der Beschuldigung, dass sie ihr neue Sachen gestohlen haben soll. Ich habe es nur einem tschechischen Gendarmen zu verdanken, dass das Mädchen freigegeben und jetzt mit mir ausgesiedelt wurde.



Bericht Nr. 118

Misshandlung in den Ostrauer Kohlengruben
Bericht von: Johann Januschke         Bericht vom 2. 8. 1946 (Bennisch)

Am 24. 9. v. J. wurde ich durch das Arbeitsamt Bennisch zur Arbeit in die Grube Ida in Mähr.-Ostrau verschickt. Die Behandlung und die Verpflegung waren dort sehr schlecht. Ich wurde zweimal schwer misshandelt. Anfang Dezember wurde ich von einem Posten verprügelt, als ich ihm der Vorschrift entsprechend meldete, dass ich bei der Arbeit mit einem Finger in ein Zahnrad gekommen war und mir dadurch das erste Fingerglied des linken Ringfingers gequetscht hatte. Trotz dieser Verletzung musste ich weiterarbeiten. Das zweite Mal wurde ich am ersten Weihnachtsfeiertag schwer misshandelt. Als ich früh zur Schicht antrat, rauchte ich eine Zigarette. Ein Posten kam auf mich zu und ohrfeigte mich. Als ich mich abwandte, kam er mir nach und schlug mich mit dem Gummiknüppel und Gewehrkolben in den Rücken, auf die Brust, auf den Kopf und über die Hände, bis ich bewusstlos wurde. Der Arzt stellte Lungenblutungen, Herzschwäche und Blutergüsse am ganzen Körper fest. Ich musste mehrere Monate hindurch liegen. 2 Monate konnte ich nicht einmal allein essen. Der Arzt stellte als Folge der Misshandlungen Arbeitsunfähigkeit auf mehrere Jahre fest. Am 4. 4. ds. J. wurde ich deshalb von der Grubenarbeit entlassen. Ich erhielt während der Arbeit in der Grube keinen Lohn und meine Frau mit ihrem 4 Monate alten Kind keine Unterstützung.



Bericht Nr. 119

Misshandlungen im Lager-Eiskeller
Bericht von: Erwin Plisch                    Bericht vom 9. 9. 1946 (Bennisch)

Der Schrecken aller Bennischer ist der Eiskeller, in dem bis Oktober 1945 ständig 15 Mann gefangen gehalten wurden, die ständig durch Zu- und Abgänge wechselten. Ich selbst wurde dort 3 Wochen festgehalten. Im Eiskeller bestand ein ständiges Prügelkommando, welches die Häftlinge täglich schwer misshandelte. Ich selbst wurde dort zweimal verprügelt. Ich war auch selbst Zeuge, wie Leute so misshandelt wurden, dass sie in schwerverletztem Zustand ins Pflegeheim gebracht werden mussten, wo viele starben. Ich wurde am 7. 8. v. J. als politisch vollkommen unbelastet entlassen. Doch schon bei der Einlieferung war mir die sofortige Wiederentlassung in Aussicht gestellt worden, falls ich der kommunistischen Partei beiträte. Da ich das ablehnte, wurde ich misshandelt. Mit mir zusammen wurde am 7. 8. der Lehrer Anlauf aus Zossen entlassen, der im Eiskeller blutig geschlagen worden war. Als er Anfang September wieder verhaftet werden sollte, nahm er sich das Leben.

 http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/weissbuch/dasd35.html