Am 19. 7. v. J. wurden ungefähr 750 Personen aus Bennisch, darunter
auch sehr viele alte und kranke Leute und Frauen mit kleinen Kindern, in
kürzester Zeit nur mit geringstem Gepäck zusammengetrieben und sollten
auf 3 Wochen Ernteeinsatz ins tschechische Gebiet verschickt werden. Am
nächsten Tage wurden in Olmütz die alten Leute und Frauen mit kleinen
Kindern aussortiert und ins Lager Hodolein eingeliefert. Darunter
befanden sich meine Eltern, mein Vater mit 74 und meine Mutter mit 54
Jahren. Ich selbst und meine Schwester wurden nach 10 Monaten zu einem
Bauern geschickt, wo wir sehr gehässig behandelt und oft beschimpft und
sogar bespuckt wurden. Mein Vater erkrankte in Hodolein infolge der Misshandlungen
und schlechten Verpflegung und sollte aufgrund einer Verfügung des
Polizeichefarztes von Olmütz krankheitshalber entlassen werden, wurde
aber statt dessen mit meiner Mutter in das Lager Stefanau geschafft, wo
sich infolge der schlechten Verpflegung und Unterbringung sein Zustand
so verschlimmerte, dass er am 24. 9. starb. Er hatte Geschwüre am Kopf
und in der Seite, die von Schlägen herrührten. Er war in der kurzen
Zeit zum Skelett abgemagert. Meine Schwester und ich standen ungefähr
30 km entfernt in Arbeit. Wir bekamen aber keine Erlaubnis, unseren
Vater vor seinem Tode noch einmal zu sehen.
Als wir nachhause entlassen wurden, fanden wir von unseren Sachen
nichts mehr vor, durften auch nicht mehr in unsere Wohnung. Unser
Aussiedlungsgepäck besteht nur aus von Bekannten geschenkten und
vorwiegend alten, z. T. schon verbrauchten Sachen. Vor allem haben wir
keine Winterbekleidung.

Gebauer,
Karl Anton
Gotschke,
Walter
Greippel, Johann
Franz (Greipel)
Kohn,
Fritz
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Bericht Nr. 117
Schwere Misshandlung eines Mädchens durch die
Arbeitgeberin
Bericht von: Hildegard Maschke
Bericht vom 2. 8. 1946 (Bennisch)
Meine 16jährige Tochter wurde vom Arbeitsamt in Bennisch zu dem
tschechischen Bauern Uhlír zur Arbeit verpflichtet. Sie musste dort täglich
von 5 Uhr früh bis ½11 Uhr nachts arbeiten. Es ist ein Besitz
von ungefähr 40 ha und meine Tochter war die einzige Arbeitskraft. So
wurde dem Kind die Arbeit auf die Dauer zu viel. Anfang April kam meine
Tochter einmal früh zu mir und bat mich, mit ihr zum Arbeitsamt zu
gehen, da sie die schwere Arbeit nicht mehr bewältigen konnte. Bevor
wir aber noch zum Arbeitsamt gehen konnten, kam die Uhlír mit dem
Leiter des Arbeitsamtes, Túma, meine Tochter holen. Sie wurde von Túma
so lange geschlagen, bis sie sich bereit erklärte, wieder auf ihren
Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch ich wurde von Túma zweimal
geschlagen. Anfang Juli wurde meine Tochter von der Frau Uhlír wieder
schwer misshandelt unter der Beschuldigung, dass sie ihr neue Sachen
gestohlen haben soll. Ich habe es nur einem tschechischen Gendarmen zu
verdanken, dass das Mädchen freigegeben und jetzt mit mir ausgesiedelt
wurde.
Bericht Nr. 118
Misshandlung in den Ostrauer Kohlengruben
Bericht von: Johann Januschke
Bericht vom 2. 8. 1946 (Bennisch)
Am 24. 9. v. J. wurde ich durch das Arbeitsamt Bennisch zur Arbeit in
die Grube Ida in Mähr.-Ostrau verschickt. Die Behandlung und die
Verpflegung waren dort sehr schlecht. Ich wurde zweimal schwer misshandelt.
Anfang Dezember wurde ich von einem Posten verprügelt, als ich ihm der
Vorschrift entsprechend meldete, dass ich bei der Arbeit mit einem
Finger in ein Zahnrad gekommen war und mir dadurch das erste Fingerglied
des linken Ringfingers gequetscht hatte. Trotz dieser Verletzung musste
ich weiterarbeiten. Das zweite Mal wurde ich am ersten
Weihnachtsfeiertag schwer misshandelt. Als ich früh zur Schicht antrat,
rauchte ich eine Zigarette. Ein Posten kam auf mich zu und ohrfeigte
mich. Als ich mich abwandte, kam er mir nach und schlug mich mit dem
Gummiknüppel und Gewehrkolben in den Rücken, auf die Brust, auf den
Kopf und über die Hände, bis ich bewusstlos wurde. Der Arzt stellte
Lungenblutungen, Herzschwäche und Blutergüsse am ganzen Körper fest.
Ich musste mehrere Monate hindurch liegen. 2 Monate konnte ich nicht
einmal allein essen. Der Arzt stellte als Folge der Misshandlungen
Arbeitsunfähigkeit auf mehrere Jahre fest. Am 4. 4. ds. J. wurde ich
deshalb von der Grubenarbeit entlassen. Ich erhielt während der Arbeit
in der Grube keinen Lohn und meine Frau mit ihrem 4 Monate alten Kind
keine Unterstützung.
Bericht Nr. 119
Misshandlungen im Lager-Eiskeller
Bericht von: Erwin Plisch
Bericht vom 9. 9. 1946
(Bennisch)
Der Schrecken aller Bennischer ist der Eiskeller, in dem bis Oktober
1945 ständig 15 Mann gefangen gehalten wurden, die ständig durch Zu-
und Abgänge wechselten. Ich selbst wurde dort 3 Wochen festgehalten. Im
Eiskeller bestand ein ständiges Prügelkommando, welches die Häftlinge
täglich schwer misshandelte. Ich selbst wurde dort zweimal verprügelt.
Ich war auch selbst Zeuge, wie Leute so misshandelt wurden, dass sie in
schwerverletztem Zustand ins Pflegeheim gebracht werden mussten, wo
viele starben. Ich wurde am 7. 8. v. J. als politisch vollkommen
unbelastet entlassen. Doch schon bei der Einlieferung war mir die
sofortige Wiederentlassung in Aussicht gestellt worden, falls ich der
kommunistischen Partei beiträte. Da ich das ablehnte, wurde ich misshandelt.
Mit mir zusammen wurde am 7. 8. der Lehrer Anlauf aus Zossen entlassen,
der im Eiskeller blutig geschlagen worden war. Als er Anfang September
wieder verhaftet werden sollte, nahm er sich das Leben.
http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/weissbuch/dasd35.html